„GIER – Weimar, die erhitzte Republik“

– Ein Schauspiel –

 

PREMIERE AM 31. OKtober 2019
im Museum für Hamburgische Geschichte

Infos & Tickets unter shmh.de/gier

WEITERE TERMINE 2019/2020

So., 03.11.2019 19:30 Uhr / So., 10.11.2019 19:30 Uhr / So., 17.11.2019 19:30 Uhr /So., 24.11.2019 19:30 Uhr /
So., 12.01.2020 19:30 Uhr / So., 19.01.2020 19:30 Uhr / So., 26.01.2020 19:30 Uhr / So., 02.02.2020 19:30 Uhr /
So., 09.02.2020 19:30 Uhr / So., 16.02.2020 19:30 Uhr / So., 23.02.2020 19:30 Uhr

„GIER“ erzählt von uns Menschen in widersprüchlichen Zeiten und von der Zerbrechlichkeit der Freiheit in der fragilen Weimarer Republik der 20er Jahre. Das Stück macht die erste deutsche parlamentarische Demokratie mit ihren Wirrnissen nacherlebbar. Und lässt uns nachfühlen, wie Menschen in Zeiten rasender Veränderung träumen, hoffen und handeln.

Axensprung Theater arbeitet  mit wenigen signifikanten Versatzstücken und einem sparsamen Bühnenbild, damit die Produktionen an allen Orten aufgeführt werden können, die ein inhaltliches Interesse an einer Kooperation haben. Markenzeichen der Gruppe sind intensives Theaterspiel und großflächige Hintergrundprojektionen aus Video- und Bildmaterial, Toncollagen und Livemusik.

DAS TEAM: OLIVER HERMANN Schauspieler, Theaterproduzent, Autor // ANGELINA KAMP | Schauspielerin, Sängerin // MIGNON REMÉ | Schauspielerin // ERIK SCHÄFFLER | Regisseur, Schauspieler, Autor // MARKUS VOIGT | Schauspieler, Musiker, Komponist, Autor // FRAUKE VOLKMANN | Kostümbildnerin // ANDREAS KARMERS | Maler, Zeichner, Filmemacher

UNSERE GESCHICHTE

In die sich verwebenden Handlungsstränge unserer Protagonisten treten real-historische Personen wie Walter Rathenau, Gustav Stresemann, Erich Ludendorff, Matthias Erzberger und Fritz Schumacher sowie der bekannte kleine Gefreite, der „beschloss, Politiker zu werden“. Diese Personen bestimmen den politischen und gesellschaftlichen Rahmen, in die sich unsere Protagonisten mehr und mehr verstricken:

Hamburg, Anfang der 20er Jahre: Die Stadt hat die Nachkriegshungerwellen, den Einmarsch der Reichswehr mit Toten und Verletzten und den Kapp-Putsch überstanden.

Martha Knies, unsere Protagonistin aus „REVOLUTION!?“, ist mit ihrem 5-jährigen Sohn in eine winzige Wohnung im sog. „Gängeviertel“ gezogen. Sie hat sich mittlerweile der KPD angeschlossen. Dort hat man ihr aus einem Sonderfonds der Parteikasse ein Studium an der Kunstgewerbeschule ermöglicht. Martha bekommt Kontakt zur Avantgarde und wirkt an der Vorbereitung und Durchführung der berühmten alljährlichen Künstlerfeste im Curiohaus mit und lernt im „Walhalla“ am Spielbudenplatz den Jazzmusiker „Karlo“ Rettmann kennen, dem sie in Leidenschaft zugetan ist. Als unter Thälmann die KPD immer stalinhöriger wird, wechselt sie zur SPD und lernt in immer erfolgreicherer familienpolitischer Arbeit sogar Gustav Stresemann kennen.

Paul Schätzing, Architekt. Wurde im Krieg schwer verwundet. Arbeitet mit Fritz Schumacher an Plänen für den Abriss des südlichen Gängeviertels, um dort das Kontorhausviertel neu aufzubauen. Paul liebt Martha. Da genau die Straßenzüge in der Neuplanung des Viertels abgerissen werden sollen, in denen Martha und ihr Sohn leben, gerät er in einen massiven Gewissenskonflikt. Er versucht Martha aus dem „Klein Moskau mitten in Hamburg“ herauszuholen. Er hat Angst um sie, da der politische Druck auf die Bewohner des Gängeviertels – auch aufgrund der dort flottierenden Kriminalität – und die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Kampfgruppen der unterschiedlichen Parteien massiv zunimmt. Am Ende erkennt er, dass selbst Städtebau meist auf Kosten der Armen geht und wird seinem großen Arbeitgeber untreu.

Karl Otto („Karlo“) Rettmann tritt als Jazzmusiker und Entertainer in den großen Palästen der Stadt, wie dem „Kakadu“ und dem „Palmengarten“ auf Seine Figur führt uns über seine extravaganten Showeinlagen und mit Livemusik durch die Entwicklung der Musik in den deutschen 20igern und des Jazz im Besonderen. Er gerät in einen bedrohlichen Konflikt mit einer kriminellen Bande von Geldverleihern. Als er mit seiner Band, den „Hallodries“, auf Einladung eines rechtskonservativen Großindustriellen bei einer Soirée in dessen Villa in Blankenese auftritt, kommt es zum Eklat.

Rudolf Knies, Freikorpsmann der ersten Stunde und Marthas Ehemann, den sie wegen der Morde an Liebknecht und Luxemburg (erzählt im 1. Teil „Revolution!?“) verließ. Sitzt wegen seiner Teilnahme am Kapp-Putsch sechs Monate in Haft. Er schließt sich der geheimen Organisation Consul an, einer rechtsradikalen Terrororganisation, die es auf vermeintliche Verräter an der „deutschen Sache“ abgesehen hat: zu den Opfern gehören der Unterzeichner des Waffenstillstandsabkommens Erzberger und Außenminister Rathenau. Auch Stresemann steht auf der Liste. Ziel ist die Destabilisierung der Republik. Knies sucht gegen Marthas Willen Kontakt zu seinem Sohn, um ihn in völkisch erziehen zu können. Er konstruiert er den Vorwurf der Prostitution, da Martha angeblich mit zwei Männern zusammenlebt. – Knies wartet auf den großen Moment, den er mit Hitlers Putsch in München gekommen sieht.

Lucy Trinkel, Jüdin, Nichte eines der wichtigsten Förderer der Avantgarde, des Schriftstellers, Verlegers, Galeristen und Komponisten Herwarth Walden, lernt Martha beim Studium kennen und wird deren beste Freundin. Lucy kennt und verehrt auch Lavinia Schulz, eine radikale (real existiert habende) Avantgarde-Künstlerin in Hamburg, die Gagen für ihre Auftritte ablehnte und 1924 den Freitod suchte.  Lucy ist ein Freigeist: wild und impulsiv, nimmt sich diejenigen, auf die sie gerade Lust hat, auch Marthas Liebhaber. Da Lucy politisch desinteressiert ist, Politik geradezu verabscheut, prallen die Wertesysteme der beiden Frauen mehr und mehr aufeinander: Martha versucht ihr klar zu machen, dass ohne politisches oder gesellschaftliches Engagement jede Freiheit in Gefahr gerät. Als Lucy dies endlich erkennt, ist es bereits zu spät.

 

„Man muss nicht nur einmal, man muss häufiger diese Höfe mit forschenden Blicken durchwandert haben, muss sich gründlich in den Wohnungen umgesehen und versucht haben, Verständnis für das Leben ihrer Bewohner zu gewinnen, um geradezu Bewunderung vor der Tatsache zu empfinden, dass trotz aller hygienischer und moralischer Schäden dieser Wohnungen aus dem Gängeviertel noch so viel tüchtiges Menschenmaterial zugewachsen ist.“

Illustrierte Rundschau vom 11.08.1912

Beilage zum Hamburger Fremdenblatt

„Es war leider so, dass um die ‚Schwarze Reichswehr‘ herum alles schwarz war und dass es für den nicht Eingeweihten darum außerordentlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich wurde, die Einzelheiten ihres Treibens und ihrer Zusammenhänge mit anderen Stellen zu erkennen.“

Carl Severing

Preussischer Innenminister

„Sicherlich ist das alte Hamburg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine entzückende malerische Stadt gewesen, von Rückwärts aber voller Eiterbeulen und gräulichen Gewürms. Allmählich waren die die großen Blöcke, welche die Stadt ursprünglich als weite Gärten umschlossen, völlig zugebaut von einem Wirrwarr kleiner Wohnhöfe und Gassen. Der ganze Bevölkerungszuwachs wurde auf diese Weise von Fall zu Fall, wie es gerade noch ging, in den ursprünglichen Organismus hineingestopft.“

Baudirektor Fritz Schumacher

Besonders in den Darstellungen der ’neuen Frau‘ verzichten die Künstler auf Merkmale, die gewöhnlich als weiblich bezeichnet werden: So zeigt ‚Das Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden‘ von Otto Dix den androgynen Körper einer Frau, die mit Bubikopf, Monokel und Zigarette im Café sitzend dem damals gängigen Verständnis der emanzipierten Frau entsprach – einer Frau, die sich nicht um die Vorstellungen der Gesellschaft von Schönheit und Geschlechterrollen kümmert und stattdessen selbstbewusst ihren Weg geht.“

Julia Schmitz

https://www.schirn.de/magazin/kontext/weimar/weimar_republik_neue_frau_neue_sachlichkeit/

DIE WEIMARER ZEIT

Die Frühphase der Weimarer Republik war geprägt von den unmittelbaren Kriegsfolgen, gewaltiger Arbeitslosigkeit, Hyperinflation, der politischen Isolation Deutschlands und dem ungeheuren Druck durch den Versailler Vertrag. Daraus resultierten zahlreiche Umsturzversuche und politische Morde.

Durch kluge Außen- und Wirtschaftspolitik gelang es Politikern wie Rathenau und Stresemann zunehmend, Deutschland zu einem anerkannten demokratischen Teil Europas mit entsprechendem Wohlstand zu entwickeln, wenn dann nicht 1929 die Weltwirtschaftskrise und in Folge eine zunehmende populistische Demokratie-Anfeindung eingebrochen wäre.

So grau oftmals die politische Wirklichkeit, so glanzvoll waren Kunst und Kultur in den 1920er-Jahren, die frei von Zensur zur Entfaltung gelangen konnten und einen rasanten Aufschwung erlebten.

Die 1918er Revolution setzte sich in allen Kunstgattungen fort. In der verbreiteten Erinnerungskultur stehen diese Jahre für Aufbruchsstimmung und kulturelle Experimentierfreudigkeit, für ausschweifende Partys und ungestillte Vergnügungssucht. Vor allem der Jazz infizierte die Vergnügungshungrigen. Revuen und Tanzlokale gehörten in den Städten zum Lebensstil der „Goldenen Zwanziger“, die allerdings so golden nur für wenige Reiche waren.

Frauen distanzieren sich erstmals von der traditionellen Rollenzuweisung und entwickelten, ungehemmt von Prüderie und hierarchisierten gesellschaftlichen Normen wie zu wilhelminischer Zeit neue Lebensformen und bis dahin unbekannte Lebensentwürfe. Einem kollektiven Rausch gleichend gierten viele Menschen nach all dem, was ihnen in den entbehrungsreichen Jahren des Krieges so lange vorenthalten wurde: Genuss, Lebensfreude, Eros.

 

„Deutschland, das Volk der Dichter und Denker, die Heimat eines Bach und Dürer, eines Beethoven und Grünewald, eines Goethe und Kant, eines Eckehart und Luther – und nun einer Jauchegrube gleich! (…) Die Bühnen predigen den Untergang, und das Publikum erquickt sich gruselnd am Blicke der eigenen Instinktverwirrung. Das ist die neue Zeit – und der Neger Jonny ist ihr Prophet.“

E. L. Schellenberger in "Der Türmer"

Monatszeitschrift für Gemüt und Geist, 1927

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